Die Frage „Wärmepumpe oder wieder Gas?“ stellt sich 2026 neu, weil das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) seit dem 29.07.2026 die 65-Prozent-Pflicht abgeschafft hat. Wirtschaftlich zählt aber mehr als der Kaufpreis. Details zur Förderung stehen im Beitrag Förderung 2026.
Was kostet in der Anschaffung mehr, Wärmepumpe oder Gasheizung?
Die Gasheizung ist beim Kauf deutlich günstiger, die Förderung verringert den Abstand. Das Portal 42watt nennt für eine Gas-Brennwertheizung im Einfamilienhaus 8.500 bis 16.000 Euro inklusive Einbau (Stand 14.08.2026). Muss der Gasanschluss neu gelegt werden, kommen laut 42watt 1.500 bis 3.500 Euro hinzu, für eine Sanierung des Schornsteins 1.000 bis 2.500 Euro. Für eine komplett installierte Luft/Wasser-Wärmepumpe nennt 42watt 18.000 bis 28.000 Euro, für eine Erdwärmepumpe 28.000 bis 40.000 Euro (Stand 31.08.2026).
Für die Wärmepumpe gibt es den KfW-Zuschuss 458. Die Grundförderung liegt bei 30 Prozent, förderfähig sind bis zu 28.000 Euro für die erste Wohneinheit. Selbstnutzende Eigentümer, die eine funktionstüchtige, mindestens 20 Jahre alte Gasheizung ersetzen, bekommen 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus dazu, je nach Einkommen kommt ein Einkommensbonus hinzu. Zusammen sind höchstens 70 Prozent möglich, in der untersten Einkommensstufe (40 Prozent Einkommensbonus) bis zu 80 Prozent. Eine reine Gasheizung wird nicht gefördert.
Was kostet der Betrieb im Jahr?
Im Betrieb ist die Wärmepumpe bei heutigen Preisen meist günstiger, weil sie aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme macht. Das Verhältnis heißt Jahresarbeitszahl (JAZ). Das Fraunhofer ISE hat in einem Feldtest mit 61 Luft/Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden im Mittel eine JAZ von 3,4 gemessen, die Spanne lag zwischen 2,6 und 4,9. Eine Gas-Brennwertheizung nutzt laut einem älteren Feldtest der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in der Praxis rund 95 Prozent der Energie im Gas.
Gas ist für Neukunden seit dem Frühjahr 2026 deutlich teurer geworden. Neukunden zahlten laut StromAuskunft (Datenpartner Verivox) am 14.09.2026 im Schnitt 12,2 Cent je Kilowattstunde inklusive Grundpreis. Wärmepumpentarife mit separatem Zähler kosteten laut Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW im Schnitt 24 Cent je Kilowattstunde plus rund 140 Euro Grundpreis im Jahr. Diese Erhebung stammt allerdings vom August 2025, heute kann der Wert höher liegen. Die aktuellen Werte findest du auf der Seite Energiepreise.
Beispielrechnung: Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch
Vereinfachtes Beispiel mit dem Gaspreis vom September 2026 und dem Wärmepumpentarif aus dem Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW. Es ersetzt keine Rechnung mit deinen eigenen Werten.
- Das Haus verbraucht bisher 20.000 kWh Gas im Jahr. Bei 95 Prozent Nutzungsgrad kommen davon rund 19.000 kWh als Wärme im Haus an.
- Gasheizung: 20.000 kWh × 12,2 Cent = rund 2.440 Euro. Darin steckt der CO2-Preis mit bis zu rund 310 Euro (bis zu 1,55 Cent je kWh bei 65 Euro je Tonne laut ADAC).
- Wärmepumpe mit JAZ 3,4: 19.000 kWh ÷ 3,4 = rund 5.590 kWh Strom. 5.590 kWh × 24 Cent + 140 Euro Grundpreis = rund 1.480 Euro.
- Wärmepumpe mit schwächerer JAZ 2,8: rund 6.790 kWh Strom, also etwa 1.770 Euro.
- Wartung: Für beide Heizungen setzen wir 250 Euro an (Spannen siehe Tabelle unten).
| Posten | Gasheizung | Wärmepumpe JAZ 3,4 | Wärmepumpe JAZ 2,8 |
|---|---|---|---|
| Energie inkl. Grundpreis | 2.440 € | 1.480 € | 1.770 € |
| Wartung und Schornsteinfeger | 250 € | 250 € | 250 € |
| Summe pro Jahr | 2.690 € | 1.730 € | 2.020 € |
| Unterschied zur Gasheizung | – | rund 960 € weniger | rund 670 € weniger |
Die Rechnung kippt, wenn Strom teuer und Gas billig ist. Im Februar 2026 lag der Gaspreis für Neukunden laut Verivox noch bei rund 8,2 Cent. Mit diesem Preis hätte das Gas im Beispiel nur rund 1.640 Euro gekostet. Dann läge die Gasheizung fast gleichauf mit der effizienten Wärmepumpe und vor der mit JAZ 2,8. Rechne deshalb mit deinen eigenen Werten im Kostenrechner.
Wie teuer werden CO2-Preis und Biotreppe für eine neue Gasheizung?
Genau lässt sich das nicht sagen, beide dürften Gas aber eher verteuern. Der CO2-Preis wird 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne versteigert, die erste Versteigerung im Juli 2026 ging zur Obergrenze von 65 Euro. Die Bundesregierung will den Korridor 2027 beibehalten, der Gesetzentwurf lag im September 2026 dem Bundestag vor. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS 2 den Preis am Markt bilden. Wie hoch er dann ist, ist offen.
Dazu kommt die sogenannte Biotreppe aus dem GModG. Neu eingebaute Gas- und Ölheizungen müssen laut Verbraucherzentrale ab 2029 zu 10 Prozent mit erneuerbarer Energie laufen, 2030 zu 15 Prozent, 2035 zu 30 Prozent, 2040 zu 60 Prozent und 2045 zu 100 Prozent. Das geht vor allem über Biomethan-Tarife. Biomethan kostet laut dem Portal reduco.ai mit 18 bis 25 Cent je Kilowattstunde deutlich mehr als Erdgas.
Eine Gasheizung, die du 2026 einbaust, läuft bis in die 2040er-Jahre. Genau dann greifen die hohen Stufen der Biotreppe.Redaktion Klarwärme
Für Vermieter gilt ab 2028 eine eigene Regel: Bei neuen Gas- und Ölheizungen tragen sie laut Verbraucherzentrale die Hälfte der Netzentgelte, der CO2-Kosten und ab 2029 der Mehrkosten für Biobrennstoffe.
Wird mein Gasnetz abgeschaltet?
Nicht kurzfristig, langfristig ist das in vielen Städten aber möglich. Das Bundeskabinett hat am 25.03.2026 einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem Gasverteilnetze stillgelegt werden dürfen. Der Bundestag hat ihn im April 2026 in erster Lesung beraten, verabschiedet war er nach unserer Recherche bei Redaktionsschluss noch nicht. Eine Trennung vom Netz soll laut IHK Regensburg in der Regel erst zehn Jahre nach der ersten Ankündigung möglich sein. Eine Härtefallregel soll greifen, wenn keine andere Wärmeversorgung verfügbar ist. Die Kosten der Stilllegung sollen über die Netzentgelte auf die verbleibenden Gaskunden umgelegt werden. Das Portal Energie-Fachberater erwartet deshalb steigende Netzentgelte.
Einen Hinweis gibt die kommunale Wärmeplanung. Großstädte über 100.000 Einwohner mussten ihre Wärmepläne bis zum 30.06.2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben bis Mitte 2028 Zeit. Laut t-online planen oder prüfen unter anderem Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und Oldenburg eine Stilllegung des Gasnetzes. Frag bei deiner Stadt nach, was für deine Straße geplant ist.
Wie schneiden Wärmepumpe und Gasheizung im direkten Vergleich ab?
Die Gasheizung punktet bei Kaufpreis und Platz, die Wärmepumpe bei Förderung und Betriebskosten.
| Kriterium | Luft/Wasser-Wärmepumpe | Gas-Brennwertheizung |
|---|---|---|
| Anschaffung mit Einbau | ca. 18.000–28.000 € | ca. 8.500–16.000 € |
| Förderung KfW 458 | 30 % Grundförderung, mit Boni bis 70 % (unterste Einkommensstufe bis 80 %) | keine |
| Energiepreis (Durchschnitt) | ca. 24 ct/kWh Strom plus ca. 140 € Grundpreis (Erhebung 08/2025) | ca. 12,2 ct/kWh inkl. Grundpreis (Neukunden) |
| Effizienz | JAZ im Feldtest im Mittel 3,4 | Nutzungsgrad rund 95 % |
| CO2-Preis | keiner auf Strom | 2026 bis zu 1,55 ct/kWh |
| Biotreppe (GModG) | nicht betroffen | ab 2029 10 %, bis 2040 60 % erneuerbar |
| Wartung pro Jahr | ca. 150–300 € | ca. 100–300 € plus 50–100 € Schornsteinfeger |
| Rechnerische Nutzungsdauer (VDI 2067) | 20 Jahre | 18–20 Jahre |
| Platzbedarf | Außengerät plus Inneneinheit, oft mit Speicher | kompaktes Wandgerät, Abgasleitung nötig |
| Netzabhängigkeit | Stromnetz, Drosselung nach § 14a EnWG möglich | Gasnetz, künftig Stilllegung möglich |
Wie unterscheiden sich Wartung und Lebensdauer?
Bei Wartungskosten und Lebensdauer liegen beide etwa gleichauf. Die Verbraucherzentrale rechnet bei der Wärmepumpe mit etwa 150 bis 300 Euro im Jahr, der Schornsteinfeger entfällt. Bei der Gasheizung nennt 42watt 100 bis 300 Euro Wartung plus 50 bis 100 Euro für den Schornsteinfeger. Wie oft eine Wärmepumpe gewartet werden sollte, steht im Beitrag Wartung: Pflicht und Intervall.
Die Richtlinie VDI 2067 setzt für Wärmepumpen rechnerisch 20 Jahre an, für wandhängende Gas-Brennwertkessel je nach Leistung 18 bis 20 Jahre.
Wie viel Platz brauchen die beiden Heizungen?
Die Gasheizung braucht weniger Platz: meist ein Wandgerät mit Abgasleitung. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe hat in der Regel ein Außengerät, im Haus eine Inneneinheit und häufig einen Speicher. Wie laut das Außengerät beim Nachbarn ankommt, prüfst du mit dem Schallrechner.
Persönliche Beratung gewünscht? Neutral und vor Ort berät die Energieberatung der Verbraucherzentrale – oft kostenlos oder stark vergünstigt. Für Planung, Einbau und Wartung ist ein Fachbetrieb deiner Wahl zuständig.
Zur EnergieberatungWann kann eine Gasheizung noch sinnvoll sein?
Eine neue Gasheizung kann sich lohnen, wenn sie nur für begrenzte Zeit gebraucht wird oder eine Wärmepumpe technisch schwierig ist:
- Fernwärme kommt bald: Sieht der Wärmeplan einen Anschluss in einigen Jahren vor, kann eine günstige Übergangslösung wirtschaftlicher sein als eine Wärmepumpe.
- Notfall: Fällt die Heizung im Winter aus, darfst du laut Verbraucherzentrale bis zu 12 Monate lang ein Ersatzgerät betreiben.
- Sehr hohe Vorlauftemperaturen: In unsanierten Häusern mit kleinen Heizkörpern sinkt die Effizienz der Wärmepumpe. Oft reichen aber einzelne größere Heizkörper. Prüfe das mit dem Wärmepumpen-Check.
- Kein Platz für das Außengerät oder sehr enge Abstände zu Nachbarn.
- Knappes Budget ohne Möglichkeit, den Eigenanteil zu finanzieren.
Wer sich unsicher ist, kann auch eine Kombination prüfen. Die Vor- und Nachteile stehen im Beitrag Hybridheizung. Achte bei Angeboten mit dem Hinweis „H2-ready“ darauf, was das konkret bedeutet. Laut Verbraucherzentrale eignen sich solche Geräte oft nicht für höhere Wasserstoffanteile, wie sie ab 2035 nötig wären, und die Infrastruktur für Wasserstoff im Gasnetz fehlt bisher.
Häufige Fragen
Darf ich 2026 noch eine neue Gasheizung einbauen?
Ja. Seit dem 29.07.2026 gilt die 65-Prozent-Pflicht nicht mehr. Ab 2029 greift aber die Biotreppe.
Ist eine Wärmepumpe günstiger als Gas?
In der Anschaffung nein, im Betrieb bei heutigen Preisen meist ja. Im Beispiel oben spart sie rund 670 bis 960 Euro im Jahr.
Gibt es Förderung für eine Gasheizung?
Nein, für eine reine Gasheizung gibt es weder von der KfW noch vom BAFA einen Zuschuss.
Wie lange hält eine Gasheizung im Vergleich zur Wärmepumpe?
Die Richtlinie VDI 2067 rechnet bei Wärmepumpen mit 20 Jahren und bei wandhängenden Gas-Brennwertkesseln je nach Leistung mit 18 bis 20 Jahren. Das sind Rechenwerte, viele Anlagen laufen länger.
Was passiert, wenn mein Gasnetz stillgelegt wird?
Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll eine Trennung in der Regel erst zehn Jahre nach der ersten Ankündigung möglich sein, mit einer Härtefallregel, wenn keine andere Wärmeversorgung verfügbar ist. Das Gesetz war zum Redaktionsschluss noch nicht beschlossen.
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau genauso gut?
Oft ja. Im Feldtest des Fraunhofer ISE erreichten Wärmepumpen in Bestandsgebäuden im Mittel eine JAZ von 3,4. Entscheidend ist die nötige Vorlauftemperatur.
Alle Preise sind Durchschnittswerte, brutto, Stand September 2026. Energiepreise schwanken stark. Die Beispielrechnung ist vereinfacht und berücksichtigt keine Finanzierung, keine Preissteigerungen und keine Reparaturen. Klarwärme ist redaktionell unabhängig.