Zwei baugleiche Wärmepumpen können im Alltag sehr unterschiedlich viel Strom verbrauchen. Das liegt selten am Gerät selbst, sondern meistens an der Heizkurve, an der Hydraulik und an den Einstellungen für das Warmwasser. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Stellschrauben. Er zeigt auch, was du selbst anpassen kannst und wann ein Fachbetrieb ranmuss. Welche Einstellungen bei einer Wartung geprüft werden, steht in unserer Wartungs-Checkliste.

Was bedeuten JAZ, COP und SCOP?

COP, SCOP und JAZ beschreiben alle das Verhältnis von Wärme zu Strom, messen es aber unter verschiedenen Bedingungen: COP an einem Prüfpunkt, SCOP über eine genormte Heizsaison und JAZ im echten Betrieb über ein Jahr. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) beschreibt die Unterschiede so:

  • COP (Leistungszahl): das Verhältnis von Wärmemenge zu Strommenge an einem festen Prüfpunkt, zum Beispiel bei 35 °C oder 55 °C Heizwassertemperatur, gemessen nach EN 14511 oder EN 14825.
  • SCOP (saisonale Leistungszahl): die Effizienz über eine genormte Heizsaison nach EN 14825. Mit dem SCOP lassen sich Geräte im Datenblatt vergleichen. Über dein Haus sagt er nichts aus.
  • JAZ (Jahresarbeitszahl): die über ein Jahr erzeugte Wärme geteilt durch den dafür verbrauchten Strom. Sie ist der Wert, der deine Stromrechnung bestimmt.

Ein Beispiel: Erzeugt die Anlage in einem Jahr 12.000 kWh Wärme und verbraucht dafür 3.500 kWh Strom, liegt die JAZ bei rund 3,4. Aus einer Kilowattstunde Strom werden also etwa 3,4 Kilowattstunden Wärme. Ein hoher SCOP im Datenblatt garantiert keine hohe JAZ zu Hause. Wie groß der Unterschied sein kann, siehst du im Markenvergleich, wo die SCOP-Werte bei 35 °C und 55 °C nebeneinanderstehen.

Warum ist eine niedrige Vorlauftemperatur so wichtig?

Eine niedrige Vorlauftemperatur ist wichtig, weil die Wärmepumpe umso weniger Strom braucht, je kleiner der Temperaturabstand zwischen Wärmequelle und Heizwasser ist. Laut Buderus und energie-experten spart jedes Grad weniger bis zu 2,5 Prozent Strom. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Wärmepumpe zu den Heizkörpern oder in die Fußbodenheizung fließt.

Laut Buderus arbeiten Wärmepumpen mit Vorlauftemperaturen bis 35 °C am effizientesten. Je nach Gebäude sind aber auch 50 bis 55 °C noch wirtschaftlich möglich. energie-experten (Stand 02/2024) empfiehlt für Fußbodenheizungen weniger als 35 °C. Bei Heizkörpern sollten etwa 50 °C nicht dauerhaft überschritten werden. Nach unserer eigenen Überschlagsrechnung auf Basis der 2,5 Prozent pro Grad sparst du bei 5 Grad weniger bis zu etwa 12 Prozent Strom. Das ist eine Obergrenze, keine Garantie.

Auch Heizkörper sind kein Ausschlusskriterium. Das Fraunhofer ISE stellte in seinem Feldtest fest, dass „ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen“. Entscheidend ist also, wie viel Heizfläche im Raum zur Verfügung steht.

Wie stellt man die Heizkurve einer Wärmepumpe richtig ein?

Du stellst die Heizkurve richtig ein, indem du Steigung und Niveau in kleinen Schritten veränderst und nach jeder Änderung mehrere Tage beobachtest, ob alle Räume noch warm genug werden. Die Heizkurve legt fest, welche Vorlauftemperatur die Regelung bei welcher Außentemperatur anfordert. Sie hat zwei Stellgrößen:

  • Steigung (auch Neigung oder Steilheit): Sie gibt an, um wie viel Grad sich die Vorlauftemperatur ändert, wenn sich die Außentemperatur um 1 °C ändert. In schlecht gedämmten Häusern ist die Kurve steiler, in gut gedämmten flacher.
  • Niveau (Parallelverschiebung): Es verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten, unabhängig vom Wetter.

Schritt für Schritt

  1. Ausgangswerte notieren: Schreib Steigung, Niveau und Heizgrenze auf oder fotografiere sie, damit du jederzeit zurückkannst.
  2. Thermostatventile öffnen: In den Referenzräumen sollten die Thermostate offen bleiben. Sonst drosseln sie den Durchfluss und verfälschen das Ergebnis.
  3. Den richtigen Zeitpunkt wählen: Buderus empfiehlt, Änderungen bei Außentemperaturen unter 5 °C zu testen. energie-experten rät zu kalten Tagen ohne viel Sonne.
  4. In kleinen Schritten ändern: Ändere immer nur einen Wert und nur ein wenig. Beim Niveau nennt 42watt Schritte von 1 Kelvin, bei der Steigung energie-experten höchstens 10 Prozent pro Anpassung.
  5. Abwarten: 42watt rät, nach jeder Änderung mindestens zwei Tage zu warten. Fußbodenheizungen reagieren besonders träge.
  6. Absenken, bis es knapp wird: Senke die Kurve so lange schrittweise ab, bis ein Raum gerade noch die gewünschte Temperatur erreicht. Dann gehst du einen Schritt zurück.
Heizkurve anpassen: Welche Stellgröße bei welchem Symptom (nach energie-experten)
BeobachtungAnpassung
Immer zu warm oder immer zu kalt, egal bei welchem WetterNiveau senken oder anheben
Nur an Frosttagen zu kaltSteigung erhöhen, Niveau etwas senken
In der Übergangszeit zu kalt, bei Frost in OrdnungNiveau anheben, Steigung etwas senken

Lohnt sich ein hydraulischer Abgleich bei der Wärmepumpe?

Ja, ein hydraulischer Abgleich lohnt sich bei Wärmepumpen besonders, weil er die Voraussetzung für eine niedrige Vorlauftemperatur ist. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale nennt 5 bis 15 Prozent Einsparung (Stand 03/2026). Beim Abgleich stellt ein Fachbetrieb die Ventile so ein, dass jeder Heizkörper oder Heizkreis genau die Wassermenge bekommt, die er braucht.

Ohne Abgleich bekommen Heizkörper nahe der Pumpe zu viel Wasser und entfernte Räume zu wenig. Viele Betreiber gleichen das aus, indem sie die Heizkurve für das ganze Haus anheben. Genau das kostet bei einer Wärmepumpe Effizienz. Typische Anzeichen sind unterschiedlich schnell warm werdende Heizkörper, einzelne kalte Räume und rauschende Leitungen.

Die Kosten liegen für ein Einfamilienhaus laut Verbraucherzentrale bei 600 bis 1.200 Euro. co2online empfiehlt das genauere Verfahren B mit Berechnung per Software statt der Näherung nach Verfahren A. Gesetzlich vorgeschrieben ist der Abgleich nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beim Einbau einer wassergeführten Heizung in Gebäuden ab sechs Wohneinheiten. Details dazu in unserem Artikel zur Wartungspflicht. Ob und wie der Abgleich aktuell gefördert wird, fasst unser Artikel zur Förderung 2026 zusammen.

Woran erkennt man, dass eine Wärmepumpe taktet?

Eine Wärmepumpe taktet, wenn der Verdichter sehr häufig startet und nach nur wenigen Minuten wieder abschaltet. Erkennbar ist das am besten, wenn du in der Regelung die Betriebsstunden des Verdichters durch die Zahl der Starts teilst. So erhältst du die durchschnittliche Laufzeit pro Start.

Als grobe Orientierung nennt der Ratgeber des Anbieters 42watt ein bis vier Starts pro Stunde im Winter als unauffällig. Laufzeiten, die regelmäßig unter fünf Minuten liegen, gelten dort als kritisch. Das sind Erfahrungswerte, keine Normwerte. Maßgeblich bleiben die Angaben des Herstellers.

Häufige Ursachen

  • Mindestleistung zu hoch: Viele Inverter-Wärmepumpen können laut 42watt nur bis auf etwa 30 Prozent ihrer Leistung herunterregeln. In der Übergangszeit braucht das Haus oft weniger.
  • Überdimensionierung: Das Gerät ist für den tatsächlichen Wärmebedarf zu groß. Das Fraunhofer ISE nennt das als häufiges Problem im Feldtest.
  • Zu wenig Volumenstrom: Ein fehlender Abgleich oder geschlossene Thermostate lassen zu wenig Wasser zirkulieren.
  • Zu enge Hysterese: Die Hysterese ist der Temperaturabstand, bei dem die Regelung ein- und ausschaltet. Ist sie klein, schaltet die Anlage häufiger.
  • Heizkurve zu hoch oder ein zu kleiner Pufferspeicher.

Die Hysterese und den Puffer sollte ein Fachbetrieb anpassen. Die Heizkurve senken und Thermostate in Referenzräumen öffnen kannst du selbst. Weitere Symptome und Fehlermeldungen findest du in unserer Fehlerdatenbank.

Ist eine Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe sinnvoll?

Eine Nachtabsenkung ist bei Wärmepumpen meist nur in geringem Umfang sinnvoll, weil die Anlage am effizientesten gleichmäßig durchläuft und das morgendliche Wiederaufheizen höhere Vorlauftemperaturen erfordert. Der Energieversorger GASAG (Stand 08/2025) hält eine Absenkung um ein bis höchstens zwei Grad oft für ausreichend. Im ungedämmten Altbau rät GASAG meist davon ab, weil die Räume nachts stark auskühlen und das Wiederaufheizen am Morgen mehr Energie kostet, als die Absenkung spart.

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale (Stand 03/2026) hält eine Nachtabsenkung bei trägen Flächenheizungen wie der Fußbodenheizung für weniger sinnvoll, weil diese ohnehin mit niedrigen Temperaturen laufen und nur langsam auf Regelvorgaben reagieren. Die Wärmepumpe nachts ganz auszuschalten, ist aus Sicht der Redaktion aus denselben Gründen in der Regel nicht empfehlenswert. Aus Sicht der Redaktion lohnt sich ein Test, wenn du ihn anhand von Stromzähler und Laufzeiten auswertest, statt dich auf das Gefühl zu verlassen.

Welche Warmwassertemperatur ist bei einer Wärmepumpe richtig?

Für Kleinanlagen, zu denen Ein- und Zweifamilienhäuser zählen, empfiehlt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 eine Reglereinstellung von 60 °C am Trinkwasserspeicher. Betriebstemperaturen unter 50 °C sollen in jedem Fall vermieden werden. Für die Wärmepumpe ist das ein Zielkonflikt, denn warmes Wasser mit hoher Temperatur senkt die Effizienz genauso wie eine hohe Vorlauftemperatur.

Das Arbeitsblatt unterscheidet Kleinanlagen von Großanlagen. Als Großanlagen gelten Anlagen mit einem Speicher über 400 Litern oder mit mehr als 3 Litern Inhalt in einer Rohrleitung zwischen Speicher und Entnahmestelle. Ein- und Zweifamilienhäuser gelten unabhängig von Speicher- und Leitungsinhalt als Kleinanlagen. Für eine thermische Desinfektion, oft Legionellenschaltung genannt, sind mindestens 70 °C nötig. Diese Temperatur muss nicht die Wärmepumpe selbst liefern, auch eine Zusatzheizung wie ein Heizstab ist möglich.

Wie überwacht man die Jahresarbeitszahl selbst?

Du überwachst die JAZ, indem du regelmäßig den Stromverbrauch der Wärmepumpe und die erzeugte Wärmemenge abliest und beide Werte ins Verhältnis setzt. Am zuverlässigsten gelingt das mit einem eigenen Stromzähler für die Wärmepumpe und einem Wärmemengenzähler.

Notiere die Werte am besten monatlich und vergleiche jeweils dieselben Monate der Vorjahre. Im Winter ist die Monatsarbeitszahl naturgemäß niedriger als im Frühjahr. Aussagekräftig ist daher vor allem der Vergleich mit dem Vorjahr. Fällt der Wert bei ähnlichem Wetter deutlich ab, kann das auf eine verstellte Heizkurve, verschmutzte Filter, einen hohen Heizstab-Anteil oder Kältemittelverlust hindeuten. So wird die JAZ zum Frühwarnsystem, lange bevor eine Fehlermeldung erscheint.

Zur Einordnung helfen die Feldtest-Werte des Fraunhofer ISE: Luft/Wasser-Anlagen erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4, Erdreich-Anlagen 4,3. Der Heizstab übernahm bei den Luft/Wasser-Anlagen nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit. Ein deutlich höherer Anteil in deiner Anlage ist ein Grund, genauer hinzusehen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt übrigens, die zu erwartenden Stromkosten grob so abzuschätzen: bisheriger Wärmebedarf geteilt durch die erwartete JAZ.

Die große Spannweite der Jahresarbeitszahlen im Feldtest zeigt: Die Einstellung entscheidet oft mehr über die Stromrechnung als das Typenschild.Einordnung der Redaktion

Persönliche Beratung gewünscht? Neutral und vor Ort berät die Energieberatung der Verbraucherzentrale – oft kostenlos oder stark vergünstigt. Für Planung, Einbau und Wartung ist ein Fachbetrieb deiner Wahl zuständig.

Zur Energieberatung

Häufige Fragen

Wie viel spart ein Grad weniger Vorlauftemperatur?

Laut Buderus und energie-experten spart jedes Grad weniger Vorlauftemperatur bis zu 2,5 Prozent Strom. Wie viel es tatsächlich ist, hängt von Gebäude, Heizflächen und Gerät ab.

Welche Jahresarbeitszahl ist gut?

Zur Orientierung dient der Feldtest des Fraunhofer ISE (Pressemitteilung 11/2025): Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten dort im Mittel eine JAZ von 3,4, Erdreich-Wärmepumpen von 4,3. Werte deutlich darunter sind ein Anlass, die Einstellungen prüfen zu lassen.

Wie lange sollte man nach einer Änderung der Heizkurve warten?

Beobachte nach jeder Änderung mehrere Tage, 42watt nennt mindestens zwei Tage. Bei trägen Fußbodenheizungen kann es länger dauern, bis sich die Raumtemperatur eingependelt hat.

Ist Takten bei einer Wärmepumpe schädlich?

Häufiges Takten senkt die Effizienz und erhöht den Verschleiß des Verdichters. Das Fraunhofer ISE nennt hohe Schalthäufigkeiten als häufige Schwachstelle. Ursachen sind oft eine zu große Anlage, zu wenig Volumenstrom oder eine zu hohe Heizkurve.

Soll ich die Wärmepumpe nachts ausschalten?

Nein, ganz ausschalten ist in der Regel nicht sinnvoll. Wenn überhaupt, empfiehlt sich eine leichte Absenkung um ein bis zwei Grad, vor allem in gut gedämmten Häusern.

Darf ich die Warmwassertemperatur unter 50 °C senken?

Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 empfiehlt für Ein- und Zweifamilienhäuser eine Reglereinstellung von 60 °C. Betriebstemperaturen unter 50 °C sollen vermieden werden. Stimme Änderungen am besten mit einem Fachbetrieb ab.

Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 16.09.2026. Dieser Artikel ersetzt keine Fachplanung vor Ort und keine Rechtsberatung. Einstellungen an der Regelung nimmst du auf eigene Verantwortung vor. Maßgeblich sind die Anleitung des Herstellers und die Empfehlung deines Fachbetriebs.